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Barrieren im Kopf verringern

"Gott hat mich so gemacht, wie ich jetzt vor Ihnen sitze – mit meinen Grenzen. Aber Grenzen hat doch jeder Mensch", sagt Johannes Rehme unbekümmert. Seit einem guten halben Jahr arbeitet der 46-Jährige beim Bistum Osnabrück in der Seelsorge für Menschen mit Behinderung. Seine eigene Behinderung spielt dabei eine Rolle, genauso, wie sein Glaube. So steht er zum Beispiel als Experte zur Verfügung, den Kirchengemeinden einladen können, um ihre Barrierefreiheit zu testen.

Christiane van Melis, Johannes Rehme
Christiane van Melis und Johannes Rehme sind im Bistum Osnabrück für die Seelsorge von Menschen mit Behinderung zuständig.
(Bild: Bistum Osnabrück)
Darüber hinaus, das hat sich im vergangenen halben Jahr gezeigt, ist aber auch der alltägliche Umgang mit seinen Kolleginnen und Kollegen ein wichtiges Tätigkeitsfeld für ihn. "Es geht nicht darum, dass wir ihm helfen, sondern um die Frage: 'Was kann er für uns tun'", sagt zum Beispiel seine Chefin Christiane van Melis. "Johannes ist eingeschränkt unterwegs von seinen Beinen her, aber er hat ein großes Charisma und ermöglicht es anderen, in Kontakt zum Herrn bleiben, mal vom Alltag zurückzutreten und sich zu erinnern, was wirklich wichtig ist", erläutert sie. So habe Rehme Ängste abgebaut, der Umgang der Kolleginnen und Kollegen untereinander sei sensibler und intensiver geworden.

Für eine menschliche Haltung

Rehme selbst führt diesen Aspekt vor allem auf seinen tiefen Glauben zurück. Schon in der Kindheit wurde er kirchlich geprägt. Bei seiner Firmung dann das Aha-Erlebnis: "Als Weihbischof Theodor Kettman mir den Segen gespendet hat, habe ich gemerkt: Jesus liebt mich! Genau so, wie ich bin." Seitdem habe er sich nicht mehr gefragt, warum er von Geburt an eine Behinderung habe, sondern wozu: "Die Behinderung ist für mich nicht mehr Belastung, sondern Auftrag", sagt er heute. Und diesen Auftrag möchte er erfüllen: etwas von der Liebe weiter zu geben, die er durch Gott erfahren hat.

Dieses Motiv leitet ihn auch bei seiner Arbeit. Aufgrund seiner Behinderung weiß er: "Die meisten Barrieren sind in den Köpfen der Menschen." Und die möchte Rehme gerne einreißen. Deswegen engagiert er sich – in seiner und anderen Kirchengemeinden. Für Barrierefreiheit – auch in den Köpfen. "Rampen zu bauen, Pfarrhaus und Gottesdienst für Menschen mit Behinderung zugänglich zu machen, das ist nicht schwer, da gibt es viele kleine Tricks, wie das auch ohne größere finanzielle Ausgaben möglich ist", weiß Rehme. Wichtig sei aber auch, dass man aufeinander zu gehe. Seiner Meinung nach sei der Umgang mit Menschen mit Behinderung viel zu institutionalisiert, es gebe viel zu viele Bedenken. "Dabei könnte man die Sache doch viel einfacher machen: erst mal in Kontakt treten und schauen und versuchen und wenn es dann ein Problem gibt, kann man das immer noch lösen." Johannes Rehme denkt dabei an ein Erlebnis bei seiner Kommunionvorbereitung, zu der ihn seine Mutter mit vielen Instruktionen brachte und wo der Pfarrer einfach sagte: "Lassen sie den Jungen mal hier, das kriegen wir schon hin!" Immer noch ist Rehme begeistert von dieser Begegnung: "Was für eine menschliche Haltung – das trägt mich noch heute", sagt er.

Weitere Infos:

Wer Dienste Johannes Rehmes als Berater für Barrierefreiheit in Anspruch nehmen möchte, wendet sich am besten direkt an ihn: bzw. 0541/318-135
Der Kontakt zur Seelsorge für Menschen mit Behinderung: Christiane van Melis, bzw. 0541/318217

Do, 18. Mai 2017

Themen: Inklusion

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