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Verlässliche Größe für Menschen in Notsituationen

EFLE-Jahresbilanz
Präsentieren den Jahresbericht 2020 der EFLE-Beratungsstellen: (von links) Beraterin Seba Chehab und Referatsleiter Christoph Hutter.
(Bild: Bistum Osnabrück)
Mehr als 7600 Paare, Familien und einzelne Personen hatten im vergangenen Jahr Kontakt zu den Beraterinnen und Beratern der Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung (EFLE) im Bistum Osnabrück. Dies geht aus dem Jahresbericht 2020 der Stellen für psychologische Beratung hervor. Die Neuanmeldungen seien zwar aufgrund der Corona-Pandemie, in der anfangs nur eine telefonische Beratung möglich war, um 12,3 Prozent gesunken. Beim Blick auf die Gesamtzahl der Klientel, also auch der Menschen, die schon im Vorjahr beraten wurden, ist insgesamt nur ein Rückgang von 3,7 Prozent zu verzeichnen. 2020 lagen die Gesamtkosten des Angebots bei 5,6 Millionen Euro. Davon kamen mehr als 2,75 Millionen Euro vom Bistum Osnabrück. 2,4 Millionen steuerten die beteiligten Kommunen bei.

„Die EFLE-Beratung hat ein turbulentes Jahr hinter sich“, zieht der Leiter der EFLE, Christoph Hutter, Bilanz. Dies liege einerseits an der Corona-Pandemie, andererseits müssen die Beratungsstellen aus rechtlichen Gründen ihre Honorarkräfte durch Festangestellte ersetzen, was mit einem Wegfall von Beratungskapazitäten verbunden ist. „2020 hat aber auch gezeigt, dass wir eine verlässliche Größe für die Menschen in der Region bleiben, die eine psychologische Beratung benötigen“, so Christoph Hutter.

Wenn Hutter auf die Beratungsarbeit in Zeiten von Corona schaut, präsentiere sich ihm ein zwiespältiges Bild: Anfangs haben nicht wenige Familien beschrieben, dass die Zeit im Lockdown auch schön gewesen sei. „Paare entdeckten sich neu, weil sie ‚gezwungen‘ waren, Zeit miteinander und mit den Kindern zu verbringen.“ Im zweiten Lockdown allerdings änderte sich die Situation: „Unsere Beraterinnen und Berater erlebten die Ratsuchenden als zunehmend belastet, verzweifelt und gereizt. Immer mehr Menschen fiel es schwer, sich selbst zu beruhigen und mit der Situation gut umzugehen.“

Geflüchtete brauchen Sicherheit, um Traumas ansprechen zu können

Ein zweiter Schwerpunkt im Jahresbericht sind die Gespräche mit Geflüchteten und die Traumaberatung. Die Menschen benötigten oftmals zuerst das Gefühl der Sicherheit, bevor sie bereit waren, über die Schrecken ihrer Flucht zu sprechen, sagte Seba Chehab, Beraterin aus Papenburg. „Sicherheit drückt sich dadurch aus, dass man über die alltäglichen Probleme im Hier und Jetzt spricht, also über finanzielle Schwierigkeiten oder die Wohnungssuche.“

EFLE habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Geflüchteten dann in die Beratung kommen, wenn es für sie ein entsprechendes Angebot gibt: „In Papenburg, wo Frau Chehab Arabisch spricht, gibt es viele Klientinnen und Klienten zum Beispiel aus Syrien. In Lingen, wo die Kollegin Persisch spricht, kommen viele Geflüchtete aus Afghanistan zu ihr“, so Christoph Hutter. Diese seien durch die Machtübernahme der Taliban in ihrem Heimatland geschockt und hätten Angst um ihre dortigen Familienangehörigen, berichtet Christoph Hutter.

Die EFLE ist an folgenden Orten mit Beratungsstellen vertreten: in Bassum, Sulingen, Bersenbrück, Georgsmarienhütte, Osnabrück, Nordhorn, Lingen, Meppen, Papenburg. Außerdem unterhält der Katholische Gemeindeverband Bremen eine „Offene Tür“, in der ebenfalls Ehe- Familien und Lebensberatung angeboten wird.

Hinweis: Der Jahresbericht 2020 der EFLE-Beratungsstellen kann hier eingesehen werden:

Fr, 20. August 2021

Themen: Ehe und Partnerschaft | Flüchtlingshilfe
Abteilung: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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