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Wir feiern fair!

100 Faire Gemeinden gibt es jetzt im Bistum Osnabrück - ein Grund zum Feiern! Alle Beteiligten haben sich verpflichtet, in ihrem Alltag auf fairen Handel und Nachhaltigkeit in ihrem Gemeindeleben zu achten. Seit ziemlich genau sechs Jahren läuft die Aktion, die vom Arbeitskreis Faire Gemeinde, der Süd Nord Beratung und der Bischöflichen Kommission Mission Entwicklung Frieden ins Leben gerufen wurde. Dirk Steinmeyer von der Süd Nord Beratung und Hubert Hoffmann, Vorsitzender der Bischöflichen Kommission Mission Entwicklung Frieden, ziehen im Interview Bilanz:

Faire Gemeinden – warum gibt es so etwas überhaupt im Bistum Osnabrück?

Hubert Hoffmann: Auch wenn es nicht allen Gläubigen bewusst ist: Der Einsatz für globale Gerechtigkeit und eine nachhaltige Bewahrung der Schöpfung ist genuine Aufgabe aller Christen! Die Reich-Gottes-Botschaft Jesu fordert die Umwandlung menschenunwürdiger Lebensverhältnisse. Die biblischen Texte, die im Gottesdienst bei der Verleihung der Urkunde zur 100. Fairen Gemeinde gelesen wurden, haben das unmissverständlich deutlich gemacht (nachzulesen hier: Genesis 9,8-15 und Markus 1,12-15). In seiner Enzyklika "Laudato si" weist Papst Franziskus auf ökofaires Handeln hin, indem er den Zusammenhang zwischen sozialer und globaler Gerechtigkeit und Schöpfungsverantwortung reflektiert und die Verpflichtung der Kirche zu nachhaltigem, schöpfungsbewusstem Handeln deutlich macht.

Was bedeutet die Aktion Faire Gemeinde konkret für die jeweiligen Gemeinden?

Dirk Steinmeyer: Für die Gemeinde bedeutet es, dass sie als Faire Gemeinde glaubwürdig und zukunftsorientiert handelt. Wer mitmacht und bestimmte ökologische und faire Kriterien erfüllt, wird "fair-siegelt", d.h. die Gemeinde bekommt für das Engagement eine Auszeichnung in Form einer Urkunde und eines Auszeichnungsschildes und den Einsatz der Gemeinde für weltweite Gerechtigkeit öffentlich sichtbar macht.


Beim Vernetzungstreffen aller Fairen Gemeinden des Bistums wurde im Februar die Kirchengemeinde St. Benedikt, Lengerich, als 100. Faire Gemeinde ausgezeichnet.
(Bild: Katrin Knus)

Was kann eine Gemeinde tun, um fair zu werden?

Dirk Steinmeyer: Um fair zu werden, müssen die Gemeinden eine Selbstverpflichtung eingehen, wonach das Gemeindeleben nach bestimmten ökologischen Kriterien und Kriterien des fairen Handels ausgerichtet wird. Die Selbstverpflichtung orientiert sich an sechs fairen und sechs ökologischen Kriterien, z.B. Ökostrom oder Blumenschmuck aus fairem Handel. Mindestens fünf der Kriterien müssen von der Gemeinde eingehalten werden, um die Auszeichnung Faire Gemeinde zu erhalten.

Was macht eine Faire Gemeinde aus?

Dirk Steinmeyer: Eine Faire Gemeinde macht aus, dass sie aus Überzeugung kontinuierlich an der Umsetzung der Kriterien arbeitet und versucht, alle Gemeindeteile (Gemeindegruppen, Gremien, Verbände, Hauptamtliche, Institutionen) mit ins Boot zu holen um ebendiese Kriterien nach ihren Möglichkeiten umzusetzen.

Mit der 100. Fairen Gemeinde sind nun fast die Hälfte aller Gemeinden im Bistum "fair". Wie beurteilen Sie die Entwicklung der vergangenen Jahre?

Dirk Steinmeyer: Sehr positiv. Wir hätten niemals damit gerechnet, dass sich so viele Gemeinden an der Aktion beteiligen werden. In der Regel ist eine starke Beteiligung an einer Aktion ja auch immer temporär, das heißt am Anfang ist eine Aktion, wenn es gut läuft, in allermunde und nach einer gewissen Zeit nehmen Enthusiasmus und Engagement ab. Der stetige Zuwachs an Fairen Gemeinden bis zum heutigen Tag, hat das Gegenteil bewiesen: Eine gute und sinnvolle Aktion kann über Jahre Bestand haben und zu einem dauerhaften Engagement für positive Veränderungen führen.


Bild: Bistum Osnabrück

Welche Veränderungen konnten Sie seit Einführung der Aktion Faire Gemeinde bei den jeweiligen Gemeinden beobachten?

Dirk Steinmeyer: Das Thema "Bewahrung der Schöpfung" ist wieder auf der Tagesordnung und wird als ein wichtiges Aufgabenfeld gesehen. Sicherlich gibt es auch Rückschläge, aber insgesamt hat die Aktion Faire Gemeinde dazu beigetragen, dass dem Thema ein höherer Stellenwert beigemessen und ein entsprechender Schwerpunkt gesetzt wird. So gibt es vermehrt Veranstaltungen und Gottesdienste zum Thema, genauso wie faire Weinverköstigungen, Kochabende oder Veranstaltungen zu Plastikmüll oder Textilien. Faire Gemeinden fordern den Einzelhandel auf, das Sortiment an fairen und ökologischen Produkten zu erweitern. In manchen Gemeinden entstehen sogar faire Einkaufsführer.

Darüber hinaus ist die Aktion inzwischen geradezu ökumenisch geworden ...

Dirk Steinmeyer: Ja! Der Kirchenkreis Osnabrück hat acht Faire Gemeinden (von 19 Kirchengemeinden). Die evangelisch-reformierte Kirche hat sich im letzten Jahr der Aktion angeschlossen und zurzeit vier Faire Gemeinden. Der Kirchenkreis Bramsche hat gerade ebenfalls beschlossen, an der Aktion teilzunehmen.

Und wie geht's weiter?

Hubert Hoffmann: Die Aktion Faire Gemeinde hat sich in den sechs Jahren ihres Bestehens zu einem echten Erfolgsmodell im Bistum entwickelt. Gleichzeitig zeigt sich die Kirche mit dieser Aktion in der Gerechtigkeits- und Nachhaltigkeitsdebatte auf der Höhe der Zeit. Ich gehe aber nicht davon aus, dass die Zahl der fairen Gemeinden noch extrem ansteigen wird. Man muss auch realistisch feststellen, dass in einigen Gemeinden für das Thema keine Ansprechpersonen vorhanden sind, die eine Umsetzung vorantreiben. In Zukunft wird es vor allem auf eine kompetente Begleitung sowie langfristige Absicherung der Aktion ankommen. Zudem könnte darüber nachgedacht werden, wie sich eine faire Gemeinde zu einer klimagerechten Gemeinde weiterentwickeln könnte ...

Mo, 19. Februar 2018

Themen: Kirchengemeinden

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